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Historie

Wie alles begann Der Name ist Programm

Als Ende des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung in Deutschland begann, galt Zeitgenossen die Region um das heutige Wuppertal als Vorzeigebeispiel, als „deutsches Manchester“. Vom Bergischen Land aus eroberte zunächst eine dynamisch wachsende Textilindustrie mit ihren Produkten die Welt. Im Zuge des wachsenden Maschineneinsatzes und der Elektrifizierung gründete sich dann eine innovative Kabel- und Leitungsindustrie. Mittendrin: die alteingesessene Familie Carl Müller.

Ein Mann, ein Raum, eine Firma

Am 3. Februar 1928 gründet der 25-jähige Sohn Fritz Müller die Firma „Fritz Müller Elektroisoliermaterial“ in Wuppertal. Für das junge Unternehmen mietet er einen Raum in der Innenstadt. Mit einem Darlehen in Höhe von 6.000 Reichsmark, Mut und Überzeugung ebnet er damit den Weg für die heutige Coroplast Gruppe. Wie der Firmenname „Fritz Müller Elektroisoliermaterial“ verrät, besteht das damalige Absatzprogramm aus Materialien zur elektrischen Isolation. Müller organisiert Materialeinkauf und Vertrieb und lässt die Gewebeisolierschläuche in Lohnarbeit fertigen. Diese Lohnfertigung ist in der Wuppertaler Textilindustrie üblich. Fritz Müller verkauft außerdem Isoliermaterialien wie Hartpapiere, Ölleinen und Ölseide. Im gleichen Jahr beginnt Fritz Müller erstmals die eigenständige Produktion: In Lackieröfen imprägniert er Ölschläuche mit Tränklacken. Inspiriert haben ihn frühere Versuche: Im Geschäfts des Vaters Carl hatten Fritz und sein Bruder Erfahrungen in der Verarbeitung von Lacken gesammelt. Die Brüder sind experimentierfreudig – es gibt die Geschichte, sie hätten versucht, Ölschläuche zu imprägnieren und diese zum Trocknen in den Backofen der Mutter geschoben. Sicher ist, dass Ende 1928 der systematische Aufbau eines eigenen Produktionsbetriebes startet.

1929 - 1934

Weltwirtschaftskrise gemeistert

Der kleine Betrieb mit fünf Mitarbeitern fertigt 1929 textile, lackgetränkte Schläuche und Auto-Lackkabel (umflochtene Kupferleiter). Und die Firma schafft sich sogar ein eigenes Automobil an. Zu den Kunden gehören namhafte Maschinenfabriken wie AEG und Automobilhersteller. Der Börsenkrach in New York und die Weltwirtschaftskrise treffen auch Fritz Müller hart. Das junge Unternehmen steht kurz vor dem Ruin, doch Gläubiger vertrauen der Firma und sichern das Fortbestehen.

1935 - 1943

Aufwärts mit PVC, abwärts durch Krieg

Mitte der 1930er gelangt ein vielversprechender thermoplastischer Kunststoff zur Marktreife: das Polyvinylchlorid – kurz PVC. Fritz Müller erkennt das Potenzial dieses neuartigen Werkstoffes und beginnt, ihn zu verarbeiten. Dank des PVCs können nun auch kupferhaltige, isolierte Leitungen hergestellt werden, beispielsweise für Licht- und Telefonanlagen.
Trotz der Gefahr, aufgrund wenig Erfahrung mit der Verarbeitung des neuartigen Materials zu scheitern, kauft Fritz Müller den ersten Extruder – eine Maschine zur Verarbeitung von Thermoplasten. Sein Mut macht sich bezahlt: Als einer der ersten Anwender von PVC erarbeitet sich Coroplast auf diesem Feld wertvolles Know-how, welches den Grundstein für den Erfolg in der Kunststoffverarbeitung darstellt. Die Anzahl der Maschinen, Umsatz und Mitarbeiterzahl steigen. Die Produktion läuft während der Kriegsjahre zum Teil in Sachsen weiter. 1943 wird das Wuppertaler Werk durch Bomben getroffen und Rohstoffe in großem Umfang vernichtet.

„Der Inhaber Fritz Müller gilt als vertrauenswürdiger und strebsamer Geschäftsmann. Die Firma hat namentlich in den letzten Jahren eine sehr gute Entwicklung genommen und ansehnliche Bedeutung gewonnen.“
Commerzbank 1939 (Bericht an die Industrie- und Handelskammer)

1945

Firmengründer Fritz Müller stirbt bei Überfall

Noch vor dem eigentlichen Kriegsende wagt Fritz Müller den Neustart am Standort Wuppertal. Mit knapp 30 Mitarbeitern startet er erneut die Fertigung von isolierten Leitungen, Isolierschläuchen und Kunstlederriemchen. Der Neuanfang wird aber vom Tod des Firmengründers überschattet: Am 5. Juni 1945 stirbt er bei einem Raubüberfall in der Notunterkunft auf dem Firmengelände. Dort ist er mit seiner Familie untergebracht, weil seine Wohnung durch Bomben zerstört wurde. Ein Jahr später stirbt auch seine Frau Anna Müller.

1946 - 1948

Markenname Coroplast wird erfunden

Der Chemiker und Betriebswirt Dr. Richard Röhm kommt als neuer Geschäftsführer in den Betrieb. Er vergrößert das Unternehmen und führt neue Produkte ein. So beginnt die Firma, Kabel zu konfektionieren und in Form von kompletten Kabelsätzen und großdimensionierten Leitungen anzubieten. 1948 entsteht der einheitliche und griffige Markenname Coroplast – er entwickelt sich schnell zum Synonym für den Firmennamen „Fritz Müller“.

Die 1950er-Jahre

Der Stoff, aus dem die Wunder sind

Sie fangen mit Poly an und prägen den wirtschaftlichen Aufschwung: Polyvinylchlorid, kurz PVC, und Werkstoffe wie Polyäthylen und Polypropylen. Coroplast investiert viel Entwicklungsarbeit in eigenen Laboratorien und dem Technikum. Man hat den Ehrgeiz, möglichst viel selbst herzustellen, zum Beispiel werden Kunststoffmischungen selbst entwickelt und Maschinen selbst hergestellt. Die Mitarbeiter kombinieren Klebstoff und PVC und schaffen zahlreiche Isolierbänder, Korrosionsschutzbandagen und Allzweckklebebänder. Das hartnäckige Forschen, Ausprobieren und Verbessern bringt Erfolg. Coroplast wächst: Die Produkte sind in 50 Ländern der Erde zu kaufen, die Zahl der Mitarbeiter steigt auf knapp 500 und neue Hallen schaffen Platz für weitere Produktionsanlagen.

1960 - 1975

Losgelöst von Lösungsmitteln, eingebunden in Rezession

Experimentierfreude und Mut zahlen sich aus: Coroplast führt zu Beginn der 60er-Jahre einen neuartigen Acrylatklebstoff ein. Diesen lösemittelfreien und somit umweltverträglichen Klebstoff setzt Coroplast bis heute ein. Innovation geht einher mit Expansion - ein neues Gebäude und weitere, effizientere Maschinen verstärken den Standort Wuppertal.

Ölkrise, autofreie Sonntage, Rezession: Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an die Fahrverbote Anfang der 70er-Jahre. Die Grenzen des Wachstums in den Industriestaaten scheinen erreicht und gehen auch an Coroplast nicht spurlos vorüber. Trotz Rekordumsatzes im Jahr 1974 zählt das Folgejahr zum schwierigsten in der jüngeren Unternehmensgeschichte: mit Entlassungen, Verlust von Kunden und einem Brand auf dem Werksgelände.

1976

Die Ära Dr. Kurt Müller prägt die nächsten 30 Jahre

Dr. Kurt Müller, Neffe des Firmengründers Fritz Müller, arbeitete schon in den 50er-Jahren immer mal wieder in der Firma seines Onkels. 1961 wird der Volkswirt und Ingenieur Dr. Kurt Müller Prokurist und verantwortet den technischen Bereich. 1976 tritt er als allein verantwortlicher Geschäftsführer an die Spitze des Unternehmens. Er führt das Unternehmen 30 Jahre lang und prägt es in besonderem Maße.

1985

Von Kabelsätzen zu Hightech-Leitungssatzsystemen

Mitte der 80er-Jahre startet Coroplast die Produktion und den Vertrieb von Leitungssätzen. Mit Kabeln und Klebeband aus eigener Herstellung fertigt das Unternehmen komplette Kabelsätze für Kunden aus den Branchen Automobil, Elektro und Haushaltsgeräte. Die Kabelsätze – bei Automobilen auch Bordnetze genannt – versorgen Motoren, elektromagnetische Ventile oder Beleuchtungseinrichtungen mit Energie. Und sie übertragen Informationen von Steuergeräten bzw. die zwischen Steuergeräten fließen. Die Entscheidung, die Sparte der Kabelbaumkonfektion auszubauen, ist eine echte Zäsur in der Unternehmensgeschichte: Anfang der 90er-Jahre entwickeln sich die Kabelkonfektion und das Geschäft mit der Automobilbranche zu einem wichtigen Standbein von Coroplast.

1994

Hinaus in die Welt – Internationalisierung beginnt in Polen

Die Branchenkrise der Automobilindustrie Anfang der 90er-Jahre bekommt auch Coroplast deutlich zu spüren. Man nutzt die Chance und positioniert sich zunehmend als Entwickler von Bordnetzsystemen für die immer komplexer werdenden Automobilverkabelungen. 1994 wagt Coroplast erstmals den Schritt ins europäische Ausland und gründet die Gesellschaft Coroplast sp. zo.o. Dylaki Polen. Auf dem ehemaligen Gelände einer Textilfabrik in der Nähe der oberschlesischen Stadt Oppeln beginnt die Produktion von Leitungssatzsystemen. Es folgen zwei weitere Standorte in Polen. 1999 gelingt der Sprung über den Atlantik: Wegen der Nähe zum nordamerikanischen Automarkt und des VW-Werks in Mexiko eröffnet Coroplast einen Produktionsstandort in Zentralmexiko.

1999

Natalie Mekelburger wird Mitglied der Geschäftsführung

Das Unternehmen und damit auch der Standort Wuppertal wachsen stetig. Wie ihr Vater Dr. Kurt Müller hat auch Natalie Mekelburger ursprünglich nicht geplant, in der Firma zu arbeiten. Doch nach Studium und ersten beruflichen Erfahrungen steigt sie 1994 als Vertriebs- und Marketingleiterin ins Familienunternehmen ein. 1999 wird sie eines von drei Geschäftsführungsmitgliedern.

2000 - 2008

Serviceoffensive in Deutschland -  Neuland in China

Immer für den Kunden da sein, mit seinen Experten gemeinsam forschen, Neuentwicklungen engmaschig abstimmen – das gelingt am besten, wenn man nah am Kunden ist. Deshalb eröffnet Coroplast zur Jahrtausendwende zwei weitere Niederlassungen innerhalb Deutschlands: Im Service-Center in Wolfsburg dreht sich seit 2000 alles um die Konstruktion und Entwicklung von Leitungssatzsystemen für den VW-Konzern. In Ingolstadt betreut Coroplast seit 2005 die VW-Tochter Audi.

2004 wagt Coroplast den Schritt nach Asien und gründet die Coroplast Harness Technology Co., Ltd. im chinesischem Taicang. Die Stadt liegt rund 40 Kilometer von Schanghai entfernt. Es beginnt ein beeindruckendes Wachstum auf dem asiatischen Markt, das bis heute anhält.

2008

Erstmals Top-Arbeitgeber

Der Claim „Verbindungen, die halten“ gilt auch in Bezug auf die Mitarbeiter. Sie finden bei Coroplast eine hohe Jobsicherheit, flexible Arbeitszeitmodelle mit guter Work-Life-Balance und schnelle Aufstiegschancen. Außerdem profitieren die Mitarbeiter von zahlreichen Benefits bis hin zum frei zugänglichen Fitnessstudio. Ein breites Weiterbildungsangebot bietet die CoroAcademy. 2008 wird Coroplast erstmals als einer der Top-Arbeitgeber in Deutschland ausgezeichnet. Die positive Unternehmenskultur, die gute Arbeitsatmosphäre, Weiterbildungsmöglichkeiten und die Gesundheitsförderung überzeugen besonders. 2018 gibt es das begehrte Siegel „Top Employer“ zum zehnten Mal.

2010 - 2013

Auf dem Weg zum internationalen Produktionsverbund

Wo Automobile gebaut werden, ist Coroplast nicht weit. 2010 betritt Coroplast einen neuen Kontinent und fertigt seitdem auch in Tunesien Kabelsätze. Ein Jahr später beginnt Coroplast Leitungssatzsysteme in Acámbaro, Mexiko zu bauen. Rund 250 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt bietet der Standort mit direktem Zugang zum nord-, mittel- und südamerikanischen Automobilmarkt enormes Potenzial. Audi, VW und Daimler gehören bereits zu den Kunden. 2013 weiht Coroplast gleich drei neue Standorte ein. Zwei davon, Kunshan und Mianyang in China und Hammamet in Tunesien.

2014

 Kompetenzzentrum für Technische Klebebänder

2014 feiert Wuppertal das „Grand Opening“ des Kompetenzzentrums für Technische Klebebänder. Herzstück des Neubaus ist eine selbst entwickelte Klebebandbeschichtungsanlage. Mit dem Bau der neuen Produktionshalle erweitert Coroplast seine räumlichen Kapazitäten um 50 Prozent. Zudem eröffnet Coroplast seinen ersten Produktionsstandort in Nordamerika. In Rock Hill, im Bundesstaat South Carolina, fertigt Coroplast Technische Klebebänder. Krönender Abschluss des Jahres: Coroplast gewinnt den Wuppertaler Wirtschaftspreis. Die Investitionen in den Standort Wuppertal und das soziale Engagement in Gesellschaft und Kultur überzeugen die Jury.

2015

Trauer um Dr. Kurt Müller

Am 31. Mai 2015 verstirbt der langjährige Geschäftsführer Dr. Kurt Müller im Alter von 85 Jahren. Er führte das Unternehmen fast 40 Jahre lang und brachte es vor allem in schwierigen Zeiten entscheidend voran. Mit seinem sicheren Gespür für Markt und Produkte gab er die entscheidenden Impulse, um aus einem regionalen Hersteller mit überschaubarem Export den weltweit agierenden Technologieführer von heute zu machen.

2016

Wirtschaftspreis für Kunstengagement

Kunst in den Gebäuden, Skulpturen im Mitarbeiterpark, ein eigener Kunstpreis namens CoroArt – Coroplast fördert seit langem Kunst und Kultur am Standort Wuppertal und in der Region. Für dieses außergewöhnliche Engagement wird das Unternehmen im November 2016 mit dem Wirtschaftspreis „Nadel der Medici“ ausgezeichnet.
Coroplast ist zudem seit vielen Jahren Sponsor des Wuppertaler Von der Heydt-Museums und der Kunsthalle. Mit kostenlosen Führungen für die Mitarbeiter und einem „Abend der Kultur“ für Gäste aus Kultur, Politik und Wirtschaft lädt Coroplast regelmäßig Menschen ins Museum ein, sich von Kunst inspirieren zu lassen. Kunst-Highlight des Jahres 2016 ist die Ausstellung des bedeutendsten britischen Bildhauers Tony Cragg im Von der Heydt-Museum. 

2017

Wachstum – weltweit und in Wuppertal

Der Kurs der Internationalisierung setzt sich fort. Zahlreiche Werke im Ausland werden ausgebaut und erweitert: So bekommt beispielsweise das Werk im polnischen Strzelce Opolskie eine neue Produktionshalle, das Werk im amerikanischen Rock Hill (siehe Bild) verdoppelt sich beinahe und die Produktionsfläche im mexikanischen Acámbaro wird bei laufendem Betrieb fast verdreifacht. Am chinesischen Standort Kunshan wird die Coroplast Tape Technology als neue Tochtergesellschaft gegründet und in Moldawien entsteht ein ganz neuer Coroplast Standort. Neben der internationalen Erweiterung wächst auch der Wuppertaler Stammsitz.

Highlight zum Ende des Jahres: Die Auszeichnung „EY Entrepreneur Of The Year 2017“ an die Vorsitzende der Geschäftsführung Natalie Mekelburger.

„Wir engagieren uns für die Kultur, weil dieser Bereich die Seele des Unternehmens widerspiegelt. Ein kreatives Umfeld fördert auch ein kreatives Denken.“
Constanze Krieger (Leiterin Marketing & Kommunikation)